Samstag, 21. Oktober 2006
HARZ-TOUR 13.10 - 15.10.2006
Wer in den Harz will, sollte den Weg dorthin über Osterode einschlagen.Nicht von ungefähr nennt es sich selbst gerne „ Tor zum Harz „.
Oben drein lässt sich die hübsche Kreisstadt am Ausgang des Sösetals aus Richtung Süden und Norden rasch über die A 7 Kassel-Hannover, die A44 Dortmund-Kassel und die B 243 erreichen.
Wir hatten im Ortsteil Laasfelde unser Quartier.
Dort liegt das Gasthaus Dernedde, von hier konnten wir unsere individuellen Tagestouren gezielt starten.
Ausgeruht am nächsten morgen, fuhren wir Richtung Lerbach.
Wir passierten das lang gezogene Straßendorf und freuten uns auf die knackigen Serpentinen, die gleich hinter dem Ortsausgang hinauf zum so genannten Heiligenstock führten. Bevor wir weiter nach Clausthal-Zellerfeld fuhren, legten wir linker Hand auf einem Parkplatz einen kurzen Halt ein. Hier konnten wir die grandiose Fernsicht genießen. Die reicht bei klarem Wetter über Osterode bis hin zum Hohen Meißner nahe Kassel.
Einst bestimmte der Bergbau den Harz. An der B241 entlang konnten wir wenig später Interessantes entdecken. Dort füllt der Prinzenteich eine Talsperre aus den Tagen als der Harz noch eins der wichtigsten Bergbaugebiete war, eine Senke. Einst wurden sie als Energiereservoirs für den Bergbau angelegt und durch Gräben miteinander verbunden. Die Gesamtanlage kennt man unter dem Begriff „Oberharzer Wasserregal“.
Sie wird heute als Industriedenkmal durch die Harzwasserwerke erhalten. Die Bergbau- und Universitäts-Stadt Clausthal-Zellerfeld war unser nächstes Ziel. Hier wurde beispielsweise das Sprengen unter Tage oder auch das Drahtseil erfunden. Aber auch die Eisenbahnschiene- vor Ort auch Hammelpfote genannt - stammt aus dem Harz und man könnte noch viele andere Erfindungen aufführen, speziell für den Bergbau und die Hüttentechnik. Etwas weiter auf dem kurvenreichen Weg Richtung Wildemann kurvt man an einigen Bergen entlang, die überwiegend aus devonischen Riffkalken bestehen. Zu jenem bis zu 400 Millonen Jahren alten Massiv gehört auch der Iberg, in dessen Inneren sich die sehenswerte Iberger Tropfsteinhöhle befindet.
Nur zwei Kurven weiter taucht dann rechter Hand der imposante Steinbruch Winterberg auf. Hier wird der nahezu reine Kalk für industrielle Zwecke abgebaut. Von dort aus ist es dann nicht mehr weit bis Seesen, wo man den Harz für einen Moment verlässt, aber durchs Tränkebachtal hinauf zum Sternplatz verschiedene Schräglagenvariationen genießt.
In Lautenthal- hier könnte man per Grubenbahn in die Harzer Unterwelt eintauchen- folgen wir dann dem Hinweis nach Wildemann. Dort zweigen wir in der Ortsmitte links ab und fahren nun auf einer teils einspurigen Straße durchs Spiegelthal hinauf nach Hahnenklee, bekannt durch seine norwegische Stabskirche.
Den weiteren weg weist dann die B241 und zwar über die „ Deutsche Fachwerkstraße“ in Richtung Goslar .
Das ist eine herrliche Kurvenstrecke, auch wenn ein Dauerüberholverbot ganz schön nervt.
Ein Bummel durch das 1000 Jahre alte Goslar gehört bei dieser Tour zum Pflichtprogramm und allein schon wegen des einmaligen Stadtbilds gehört ein Fotoapparat ins Gepäck. Außerdem wäre da noch die Kaiserpfalz, wo einst die deutschen Kaiser des Mittelalters zeitweise residierten. (Bilder)
Von Goslar fuhren wir dann ins Okertal entlang der „ Deutschen Ferienroute Alpen-Ostsee“.
Mächtige Granitfelsen, der künstlich angelegte Romkerhaller Wasserfall und der Okerstausee prägen die Landschaft nachhaltig. Über Oberschulenberg, hier kann man rechts der Straße auf einer mächtigen Bergwerkshalde noch auf Erzsuche gehen, führt uns die Route dann hinauf nach Clausthal-Zellerfeld und von dort aus wieder bergab nach Altenau.
Hier beginnt die aussichtsreiche „Steile Wand Straße“ hinauf zum Motorradtreff Torfhaus mit wunderbarem Blick auf den 1.141 Meter hohen Brocken, die höchste Erhebung des Harz.
Nicht weit davon erreichen wir dann den Oderteich, Deutschlands älteste Talsperre,
die einst die Gruben in St. Andreasberg mit dem „Aufschlagwasser“ dem Wasser zum Maschinenantrieb, versorgte. Genau dort beginnen auch die Kurven hinunter ins Odertal, die man wegen seiner stark malträtierten Teerdecke besser etwas ruhiger angeht, bis man das Teilstuck nach Braunlage erreicht, denn hier ist die B4 bestens ausgebaut.
Elend und Sorge im Ostharz sind die nächsten Ziele.
Beide Ortsnamen entstammen längst vergangenen Tagen und erinnern noch heute an die bittere Armut, in der die Menschen seinerzeit im Harz lebten und an den Kampf um das tägliche Brot.
In Benneckenstein folgen wir erneut der B4, bevor wir uns in Rothesütte - inzwischen sind wir in dem kleinen Thüringer Zipfel des Harzes unterwegs – auf einen wunderschönen Schleichweg begeben. Die einspurige, aber geteerte Strecke über Sophienhof Richtung Eisfelder Talmühle ist mit dem Begriff „Fahrweg“ völlig korrekt klassifiziert und bietet noch eine Prise Abenteuer, bevor die Bundesstraßen 81 und 242 den weiteren Routenverlauf bestimmen.
Kurz vor Stiege biegen wir links ins Tal der Luppbode ein und gleich hinter Treseburg folgt dann der Abstecher zur Roßtrappe der zuletzt einen 15 minütigen Fußmarsch erfordert.
Der allerdings lohnt, denn so erlebt man eine landschaftliche Szenerie, die für den Harz einmalig ist und den Alpen entliehen scheint.
Hexen und Teufel sollen einst den Harz bevölkert haben, den gleich gegenüber, fast zum greifen nahe, ist auch der sagenhafte Hexentanzplatz gelegen, wo sich die Geliebten des Teufels stets vor ihrem Besenritt zum Brocken getroffen haben sollen.
Der Ostharz ist eine durch Täler zerschnittene Hochfläche und so erlebt man ihn auch auf dem weiteren Weg über Friedrichsbrunn nach Güntersberge und weiter nach Stolberg – die Strecke nach Stolberg ist ein muss-, auch „ Perle im Südharz“ genannt. Das von einem imposanten Schloss überragte Harzstädtchen trägt diese Bezeichnung völlig zu Recht.
Es ist schon recht spät geworden, unsere Mägen knurren und wir freuen uns schon auf unser Quartier im Gasthaus Dernedde - www.gasthaus-dernedde.de - ein für seine hervorragende Küche weit über die Grenzen Osterode´s hinaus bekanntes Gasthaus.