3.TREFFEN DER BMW-MOTORRADFREUNDE-WESTFALEN
"Ein echter Höhepunkt des Jahres"
425 km sind sie gefahren. Auf zwei Rädern. Um sich im Dauerregen in Schlafsäcke einzumummeln und bei Blitz und Donner einzuschlafen. Trotzdem steckten Egon Kettner und Anette Lütt am Samstagmorgen gut gelaunt die Nasen aus ihrem Zelt.
Alle zwei Jahre verwandelt sich Overberge in ein kleines Motorradparadies. Denn
wenn die BMW-Motorradfreunde Westfalen rufen, kommen sie alle: die Besitzer von
Oldtimern, heißen Maschinen oder von " Mopeds" mit Beiwagen. Das
vielfältige Programm und vor allem die Fachgespräche lockten die
Motorradfahrer aus dem ganzen Land nach Bergkamen.
... Schließlich ist für die beiden vom Boxerstammtisch
Eckernförde das 3. Treffen der BMW-Motorradfreunde-Westfalen ein echter
Höhepunkt des Jahres. "Es ist doch toll hier", stellen sie fest und
blicken fröhlich in das bunte Treiben vor der Sporthalle an der
Hansastraße. "Die Gemeinschaft hier ist einfach schön", betonen
beide, "außerdem lernt man hier immer neue Leute kennen". Das hat sich
inzwischen herumgesprochen. Zum zweiten Mal trafen sich nicht nur BMW- sondern
auch andere Motorradfreunde aus dem ganzen Land in Overberge. "50 Camper haben
sich angemeldet", erzählt Mitorganisator Jürgen Otto. Am Ende
trotzten aber nur wenige Zelte den sintflutartigen Niederschlägen. Die
Ausfahrten ins Sauerland und ins Münsterland traten dafür umso mehr
Bikerfreunde an.
"Ich wusste gar nicht, dass es hier ein solches Treffen gibt", erzählt
Aaron Przyjegla. Als er vor kurzem davon hörte, holte der 25-jährige
Bergkamener seine BMW R 25/3 Baujahr 55 mitsamt Beiwagen aus der Garage und
machte sich auf den Weg zum Oldtimertreff. Seit Dienstag hat das gute
Stück wieder eine TÜV-Plakette. "Davor habe ich sie vier Jahre lang
repariert, weil sie einen Motorschaden hatte", erzählt Aaron Przyjegla. An
dem Oldie hängt sein Herz. "Als ich noch Schüler war, konnte ich mir
ein Auto nicht leisten", erinnert er sich. Auf dem Schulparkplatz war er damit
so etwas wie ein heimlicher Star.
Auch für Christian Schneider aus Werne gab es in den ersten Berufsjahren
keine Alternative. "Ich habe sie 1978 gekauft und bin damit zur Arbeit
gefahren", erzählt er und blickt liebevoll seine 56 Jahre alte BMW R 25/2
an. In Bad Segeberg hat er sie entdeckt. "Sie war völlig kaputt", erinnert
er sich. Allerdings nicht lange. Voller Einsatz mit Werkzeugen und
Detailversessenheit machte sie binnen eines Dreivierteljahres wieder fit
für den täglichen Straßeneinsatz. Inzwischen sitzt auch Sohn
Tizian (9) begeistert auf dem schalenartigen Sozius-Sattel hinter ihm.
Es waren aber nicht nur die gemeinsamen Ausfahrten, das gemeinsame Zelten und
der Oldtimertreff, der Bikerherzen am Wochenende höher schlagen
ließ. In der improvisierten "Boxergarage" von Horst Liedke und Martin
Knasiak herrschte ebenso Hochbetrieb. Hier wurden die Zylinder und
Drosselklappen der BMW-Motoren wieder in synchronen Takt gebracht - kostenlos.
"Wir hatten hier den ganzen Vormittag ununterbrochen zu tun", erzählt
Horst Liedke. Motorrad-Sättel, Helme, das eigene Moped als Airbrush auf
dem T-Shirt, gute Erste-Hilfe-Tipps für den Ernstfall am Stand des Roten
Kreuzes oder ein Geschicklichkeitsparcours: "Das ist ein wirklich tolles
Angebot", resümieren auch Egon Kettner und Anette Lütt, die auch
deshalb über 400 km weit nach Overberge gefahren sind.
Vielleicht auch, um endlich mal ganz ohne verkehrsrechtlichen Anlass ein
Polizeimotorrad aus der Nähe zu betrachten. Polizist Torsten Walter hatte
die 1200er BMW mit ihren 110 PS nach Overberge gesteuert. Im Polizeialltag
leistet sie gute Dienste. "Man kommt besser auf Wald- und Fußwege, ist
bei der Verkehrsüberwachung mobiler und schneller. Ebenso im Stau",
erzählt er.
Technik, Tipps und Tacho
Treffen der BMW-Motorradfreunde lockte viele Teilnehmer und Zuschauer an Veranstalter boten drei Tage lang ein umfangreiches Programm
- 13.07.2008 BERGKAMEN Nicht nur Lothar Gerhard aus Werne, immerhin bereits 74 Jahre alt, lockte es am Wochenende mit seinem wunderschönen BMW-R69-Gespann Baujahr 1957 nach Overberge. Gerhard kennt als echter Motorradfahrer eben kein schlechtes Wetter, höchstens unzweckmäßige Kleidung. Und so freuten sich die BMW-Motorradfreunde Westfalen trotz unsicherer Wetterlage über zahlreiche Teilnehmer und Besucher. Aus Überlingen am Bodensee, Hamburg und sogar Holland und Belgien reisten Motorradfahrer/innen mit ihren Solo- oder Gespannmaschinen an.
"Der Propeller auf dem Tank ist natürlich Pflicht um bei uns Mitglied werden zu können", meint der Organisator der Veranstaltung, Uwe Gutowski. Damit meint er natürlich das unverwechselbare BMW-Markenzeichen, den symbolisierten Flugzeugpropeller, der noch aus der Zeit stammt, da die Bayerischen Motorenwerke vornehmlich Flugmotoren bauten. Allerdings waren zum Treffen in Overberge auch Fahrer anderer Motorradmarken gern gesehene Gäste.
Die Motorradfreunde hatten wie immer ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt. Nach der Anreise am Freitag mit einem geselligen Grillabend bot man am Samstag geführte Touren durch Sauer- und Münsterland an. Wer am Veranstaltungsort blieb, schaute im Zelt des Motorenspezialisten Horst Liedke (Die Boxergarage)vorbei. Vergasersynchronisation, richtige Einstellung des Motors sowie Einbau spezieller Zündkerzen bot der Fachmann an. Und so wurden in manchem Triebwerk auch eventuell seit längerem schlummernde Pferde wieder richtig auf Trab gebracht. Die kleine Gebühr, die die BMW-Motorradfreunde dafür erhoben (Liedke arbeitete unentgeltlich), spenden die Veranstalter dem Roten Kreuz.
Alternativ dazu konnte man sein fahrerisches Können auf einem sehr kniffligen Geschicklichkeitsparcours beweisen. Schwerstarbeit für die Fahrer, Schwerstabeit aber auch für die Kupplungen der Fahrzeuge.
Ob der Kreislauf der Fahrer vor und nach der Tour noch in Ordnung war, darum kümmerten sich die Helfer des DRK-Ortsvereins Bergkamen. Neben Blutdruckmessungen und einer Bestimmung der Blutzuckerwerte zeigten die DRKler aber auch beispielsweise wie man einem verunfallten Motorradfahrer sicher und schonend den Helm abnimmt. Ein Polizeibeamter der Motorradstaffel stand für Fragen rund um den Straßenverkehr zur Verfügung.
Beim Hersteller hochwertiger Sitzbänke konnte man sich Samstag und Sonntag formidables "Wohlfühlgestühl" für das eigene Bike anschauen. Wem noch ein passendes Bekleidungsstück fehlte, der ließ sich an Ort und Stelle ein T-Shirts mit Airbrush-Lackierung zum Treffen 2008 anfertigen.
Auch der stellvertretende Bürgermeister Marco Morten Pufke (für den erkrankten Schirmherrn Roland Schäfer) und Ortsvorsteherin Elke Middendorf schauten vorbei. Aber das Wichtigste waren natürlich die "Moppeds". Speziell die älteren Exemplare oder auch schöne Umbauten, besonders die Maschine von Thomas Anke (48) aus Hamm. In etwa 300 Arbeitsstunden zauberte er mit vielen Eigenbauteilen aus einer BMW R 80 ST einen Italo Racer im Ducati-Stil. Heckrahmen, Heckbürzel und Sitzbank von einer Ducati 999, spezielle Felgen, ein von Anke selbst überarbeiteter und veredelter 1000-ccm-Motor statt des ursprünglichen 800 ccm-Triebwerks, offene 40er Dellorto-Vergaser und eine wunderschöne Eigenbau-Auspuffanlage kombinierte er zu einem beeindruckenden Fahrzeug mit ganz persönlicher Note. Allein 6000 Euro verschlang der Umbau der Maschine trotz viele Teile aus eigener Fertigung.
Und am Rande waren natürlich überall kleine Grüppchen zumeist doch etwas gereifterer Motorradfahrer zu sehen, die "Benzin quatschten", sich an der Technik der schönen alten Fahrzeugen erfreuten und einfach ihren Spaß hatten. jk