Sonntag, 23. Oktober 2011

ELBSANDSTEINGEBIRGE-SÄCHSISCHESCHWEIZ-DRESDEN

Die Motorradfreunde in der Sächsischen Schweiz im Oktober 2011

 

Die Hinfahrt…

 

erfolgte an einem Sonntag vom Rasthof an der A44 aus. 5 Motorräder mit 7 Besatzungsmitgliedern peilten das Ziel Dresden an. Bald ging es von der Bahn runter und die Bergwelt südlich von Kassel wurde durchquert. Kalt war es, aber herrlich sonnig. Zügig wurde Hessen verlassen und Thüringen erreicht. Was dem einen Guide sein Gottesgrün, wurde unserem Guide sein Ilmenau. Der Ort wurde systematisch eingekreist, aber bei 90 Minuten Fahrzeit näherte sich die Gruppe dem Ziel nur 50 km. Gefragte Auswärtige zeigten Mitleid und empfahlen als Abhilfe ein Stück Autobahn zu nutzen, um dem Bermudadreieck der Biker zu entkommen. Irgendwo zwischen Thüringen und Sachsen, immer unterhalb der Autobahn A4 wurde wieder die Landstraße geentert. Der Nachmittag neigte sich dem Ende zu und es waren noch rund 200 km zu überwinden. Erneut half nur die Autobahn, die uns in flotter Fahrt bis Pirna schon recht nahe ans Ziel brachte. Es wurde dunkel und die Scheinwerfer einer riesigen Autoschlange zwischen Pirna und Königsstein zeigten jeden Kratzer im Visier auf. Endlich das Schild Kurort Gohrisch. Steil ging es den Berg hinauf und kurz drauf war die Unterkunft erreicht.

 

Das Hotel Margaretenhof wurde für eine Woche unsere Heimat. Obgleich ein größeres Hotel war die Betreuung sehr persönlich. Gleich am ersten Abend gewannen wir unsere Kerstin, eine hübsche Steiermärkerin, als unsere Betreuung bei Speis und Trank. Moppeds in den Garagen, große gemütliche Zimmer, gute Küche und hilfsbereite Gastgeber, das waren gute Rahmenbedingungen.

 

 

Der Montag…

 

führte uns gleich über Bautzen nach Tschechien. Bautzen – man denkt gleich ans

Gefängnis – zeigte uns bereits bei der Durchfahrt die historische Altstadt von der schönsten Seite. Auf kleinen Wegen ging es nach Liberec (vormals Reichenberg). Der 1012 Meter hohe Jeschken zeigte sich von weitem. Dort sollten wir hochfahren? Ja, wir taten es. Zunächst eine normale Serpentinenstrecke wandelte sich das letzte Stück in einen schmalen Fetzen Straße um, bei dem die innere Stimme ständig sagte „jetzt bloß nicht anhalten müssen“. Endlich waren wir oben, da erwartete uns ein Spezialparkplatz für Biker. Die Zufahrt nur noch einen Meter breit und der Untergrund gröbster Fels. Alles ging gut und die fantastische Aussicht über Jeschkengebirge, Isergebirge bis zu den Gipfeln des Riesengebirges entlohnte uns für die anspruchsvolle Auffahrt. Zurück ging es über tschechische Bundesstraßen in weiten Schwüngen bis das Elbtal wieder erreicht war. Am letzten Pausenpunkt des Tages konnten die Biker das seltsame Verhalten der Blechdosenfahrer an einer einspurigen Stelle ohne Verkehrsregelung bewundern.

 

 

Der Dienstag…

 

zwang die Biker zum Absteigen. Die weltberühmte Bastei als Kernstück des Elbsandsteingebirges musste zu Fuß bezwungen werden. Die Sonne lachte, so dass die zahlreichen Fotos von den bizarren Felsformationen und dem wunderschönen Elbtal nur gut werden konnten. Über Hohnstein und Sebnitz ging es in das Kirnitzschtal, ein weiteres touristisches Highlight. Über Bad Schandau wurde auf Umwegen Gohrisch erreicht, da auch auf diesem Wege die sächsischen Straßenbauer ihre Lieblingstätigkeit entfacht hatten, und zwar das Anlegen von wirren, verschachtelten Umleitungen.

 

 

 

Der Mittwoch…

 

war für den Verfasser dieser Zeilen ein Flop. Das Mopped stand in der BMW-Werksvertretung in Dresden, da der Motor nicht an sich halten konnte und Öl nässte. Der forsche Leihwagen war nur eine schwache Entschädigung.

 

Die Gruppe berichtete am Abend, dass sie auf wunderschönen bewaldeten Sträßchen zum Osterzgebirge gefahren war und die Mittagspause in einem urigen Lokal in der Ortschaft Bärenfels genossen wurde. Der Wirt hinterließ wohl einen starken Eindruck.

 

 

Der Donnerstag…

 

wurde zunächst dazu genutzt, gemeinsam das gesundete Mopped in Dresden abzuholen.

 

Auf einer winzigen Fähre wurde die Elbe überquert, von dort aus ging es Richtung Norden, dorthin wo die Landschaft wieder grün wurde. In einem großen Bogen führte der Weg fast wieder beinahe nach Tschechien bis an der Landesgrenze wieder die Route nochmals durch das herrliche Kirnitzschtal eingeschlagen wurde. … und das wunderbare Wetter hielt noch immer!

 

 

Der Freitag…

 

war der Tag für die Besichtigung der Altstadt von Dresden. Nach einem ausgiebigen Spaziergang am Elbufer wurden Semperoper, der Zwinger, das Residenzschloss und die Frauenkirche betrachtet. Aber das war nicht alles. Mit der Bahn ging es nach Pirna und dann… auf einen historischen Schaufelraddampfer der uns aus der Flußperspektive das Elbtal von Pirna bis Bad Schandau entlang dem Elbsandsteingebirge von seiner schönsten Seite zeigte. Und immer noch hielt das Wetter durch!

 

Ach ja, und dann war da noch die Hinfahrt mit der Deutschen Bahn von Königstein bis Dresden. Diese Strecke umfasst drei Zahlzonen und im Nahverkehrsbereich ist eine Kleingruppe max. 5 Personen groß. Diese Lehrstunde erteilte uns der Fahrkartenkontrolleur, der sicherlich noch im vergangenen zweiten deutschen Staat seine Schulung zum Kundenverhalten erhalten hatte und apodiktisch den Satz „wer lesen kann, ist klar im Vorteil“ wiederholte. Als wir schon dachten, die Stadt Bautzen als Gefängnisstadt zu erleben, erlöste uns der Bahnbeamte, indem wir unser Unvermögen am Fahrkartenautomaten durch das Nachlösen einer zweiten Gruppenkarte sühnen durften.

 

 

Der Samstag…

 

zeigte sich dann verregnet. Die Hoffnung, nochmals Richtung Osterzgebirge zu fahren, erlosch beim dritten Schauer am Vormittag. So holten wir uns nasse Füße bei unserer Wanderung rund um Gohrisch. Umso schöner war dann das gemütliche Kaffeetrinken im Margaretenhof, nach heißem Duschen und Sockenwechsel.

 

 

Die Rückfahrt…

 

war am Sonntag. Im Regen und bei lausiger Kälte ging es bei Pirna auf die Autobahn. Gott sei Dank wurde die Bahn kurz nach Meißen wieder trocken. Kalt blieb es, aber die neuen Autobahnen im Osten zeigten ihre Asphaltqualitäten und die BMWs glitten heimwärts. Irgendwo im Bereich des Harzes signalisierten die Tankanzeigen dringenden Nachfüllbedarf. Die Suche nach der Tankstelle kürzte den Weg Richtung Kassel ab und nur ein letztes Stück der A7 führte uns zum radarüberwachten Südkreuz mit der A44. Und dann kam der unvermeidliche Abschied kurz vor dem Erreichen des Ruhrgebietes. Es war schon sehr ungewohnt, plötzlich alleine fahren zu müssen.

 

… so endete der Wochenausflug in die bizarre Welt des Elbsandsteingebirges als eine in Deutschland einmalige Landschaft.

 

 

Text: VoBr zum Fotoalbum